Der Weg zum Militärpiloten verläuft über mehrere Selektionsstufen. Auf dieser Seite erfährst Du mehr über die einzelnen Schritte.

SPHAIR ist eine Organisation der Pilotenschule der Luftwaffe. Sie sucht nach jungen Aviatiktalenten im Alter von 17 bis 20 Jahren. In einer mehrstufigen Eignungsabklärung wird jeder Bewerber auf sein aviatisches Talent hin geprüft. SPHAIR besteht aus zwei Teilen: dem Screening und dem zweiwöchigen Flugkurs.

 

Screening

Für das Screening kann man sich zu Hause mit den zur Verfügung gestellten Trainingsprogrammen ideal vorbereiten. Es lohnt sich, diese Übungen gut zu trainieren und vorbereitet an das Screening zu gehen.

Dieses dauert einen Tag und findet am FAI statt. Dabei werden Fähigkeiten in den Bereichen Psychomotorik, Multitasking, Englisch, (Kopf-) Rechnen, räumliches Vorstellungsvermögen, Merk- und Konzentrationsfähigkeit, technisches Verständnis und Wahrnehmung getestet.

Flugkurs

Nach erfolgreichem Bestehen des Screenings kann sich jeder individuell für den zweiwöchigen Flugkurs bei einer der SPHAIR-Flugschulen einschreiben. Auf diesen Kurs sollte man sich ebenfalls intensiv mit den zur Verfügung gestellten Theorieunterlagen vorbereiten.

Jeder Kandidat hat die einmalige Chance während zehn Flugstunden einen ersten Einblick in den Beruf des Piloten zu werfen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Die Teilnehmer werden von zwei Fluglehrern in Theorie und Praxis ausgebildet und unterstützt. Beim letzten Flug handelt es sich um einen Kontrollflug mit einem Militärpiloten.

Zum Schluss erhält jeder Teilnehmer eine detaillierte Qualifikation. Ein erfolgreiches Abschliessen dieses Kurses mit der Empfehlung zum Militärpiloten ist Voraussetzung für eine Bewerbung zum Militärpiloten.

Die Bewerbung zum Militärpiloten kann nach der Rekrutierung eingereicht werden. Anschliessend folgt die Berufseignungsabklärung (BEA) bestehend aus zwei psychologischen Abklärungen, einer medizinischen Untersuchung und dem PC7-Simulator. Es empfiehlt sich, diese Abklärungen möglichst vor dem Militär zu machen, damit man sich auf die einzelnen Schritte konzentrieren kann.

 

PEG

Die erste psychologische Abklärung dauert einen Tag am FAI. In Einzelgesprächen mit einem oder zwei Psychologen versuchen diese, den Kandidaten besser kennen zu lernen. Es werden persönliche Stärken und Schwächen gesucht. Vor allem bei Punkten, bei denen man sich unsicher fühlt, fragen sie nach. Zum Schluss werden nochmals die kopfrechnerischen Fähigkeiten geprüft. Die Psychologen teilen einem den Entscheid gleich nach den Gesprächen mit.

FBA

Bei dieser zweitägigen Untersuchung liegt der Fokus am ersten Tag auf der Teamfähigkeit. Diese wird in verschiedenen Gruppenübungen getestet. Dabei wird unter anderem das Kommunikationsverhalten, Durchsetzungsfähigkeit oder Nachgiebigkeit analysiert. Um das Auftreten vor Publikum zu beurteilen, muss jeder Kandidat ein kurzes Referat halten. Bei all diesen Aufgaben gilt es meist unter Zeitdruck die beste Lösung zu finden. Es gibt dabei nicht das perfekte Verhaltensmuster.

Am zweiten Tag stehen die medizinischen Abklärungen im Vordergrund. Dabei wird man auf „Herz, Lungen und Nieren“ geprüft. Es werden EKGs normal und unter Belastung erstellt, aber auch die Lungenfunktion und die Wirbelsäule werden angeschaut. Einen weiteren wichtigen Punkt bilden die Augen. Diese werden diversen Tests unterzogen. Unter Umständen müssen weitere Nachuntersuchungen gemacht werden. Bei Erfüllung der medizinischen Kriterien wird das Medical Class 1 ausgestellt.

Den Entscheid zum ersten Tag erhält man bereits am zweiten Tag. Der medizinische Bescheid lässt etwas länger auf sich warten.

Um Militärpilot zu werden, gilt es vor der PC7-Selektion mindestens den Grad des Leutnants zu erreichen. Die Truppengattung, in der man Dienst leistet, kann jeder frei wählen. Dies hat keinen Einfluss auf die weitere Selektion. Gemäss unseren Erfahrungen empfiehlt es sich sogar, nicht als Fliegersoldat ausgehoben zu werden, denn die meisten Pilotenanwärter machen dort den Dienst. Dies führt dazu, dass es meist einen Überschuss an Zugführern gibt und diese weniger Führungserfahrung sammeln können.

 

RS – Rekrutenschule

In den ersten sieben Wochen erhält man eine militärische Grundausbildung. Dazu zählt der Umgang mit dem Sturmgewehr, Sanitätsdienst-, Wachtdienst- und ABC-Ausbildung. In dieser Phase, der AGA (Allgemeine Grundausbildung), muss sich jeder Pilotenanwärter hervorheben und zeigen, dass er das Potential zum Zugführer mit sich bringt. Dann erhält man den Vorschlag für die Unteroffiziersschule.

 

UOS – Unteroffiziersschule

Die Unteroffiziersschule dauert neun Wochen. Hier erlernt man die theoretischen und praktischen Grundlagen, wie eine Gruppe zu führen ist. Es gibt zudem die Möglichkeit, zivil anerkannte Führungsmodule abzuschliessen. In dieser Phase gilt es, sich erneut unter Beweis zu stellen und sein Potential zum Zugführer zu zeigen. Bei erteiltem Offiziersvorschlag geht es mit dem zentralen Offizierslehrgang weiter.

 

Zen Of – Zentraler Offizierslehrgang

Im zentralen Offizierslehrgang kommen alle Offiziersanwärter der verschiedenen Truppengattungen für vier Wochen zusammen. Dadurch erhält man einen Einblick in die verschiedenen Truppengattungen der Schweizer Armee. In diesem vorwiegend theoretischen Teil der Offiziersausbildung liegt der Schwerpunkt auf den Entschlussfassungsübungen und Befehlsausgaben. Nach den vier Wochen kehren alle wieder in ihre Truppengattungen zurück, um dort die Offiziersschule zu absolvieren.

OS – Offiziersschule

In der Offiziersschule werden nun die im zentralen Offizierslehrgang gelernten Grundlagen während elf bis zwölf Wochen weiter theoretisch und praktisch vertieft. Zudem erhält man eine truppenspezifische Ausbildung. Die Aspiranten werden des Weiteren darin geschult, die Ausbildung für ihre späteren Rekruten zu planen. In dieser physisch und psychisch sehr anstrengenden Zeit gilt es, die erworbenen Kenntnisse auch unter schwierigen Bedingungen anzuwenden und zu erweitern.

Den krönenden Abschluss bildet die Durchhalteübung (DHU) mit sehr wenig Schlaf und grossen körperlichen Herausforderungen. Den Abschluss der DHU bildet der 100 km Marsch.

Abverdienen als Zugführer

Nun gilt es das Gelernte umzusetzen. Jeder Anwärter bekommt seinen eigenen Zug, bestehend aus  4 bis 10 Unteroffizieren und 30 bis 70 Rekruten. Er muss seinen Zug führen und ausbilden. Wer gedacht hat, die OS sei der anstrengendste und anspruchsvollste Teil der Offiziersausbildung, der hat sich geirrt. Beim Abverdienen kommt alles Gelernte zusammen, wobei man nun aber auf sich alleine gestellt ist. Deshalb handelt es sich bei dieser Phase um die lehrreichste. Jeder angehende Offizier hat die Möglichkeit, selber viel Verantwortung zu übernehmen und selber Entscheide zu fällen.

Den letzten Teil der BEA bildet der PC-7 Simulator. Das erste Mal dürfen die Kandidaten im Cockpit einer PC-7 platznehmen. Am Sonntagabend treffen alle Pilotenanwärter auf dem Flugplatz Locarno ein. Nachdem der Treffpunkt für den nächsten Morgen bekannt ist, gehen alle früh schlafen, um möglichst ausgeruht in diese Selektionsphase zu starten.

 

Einführungsflüge

Der Montagmorgen beginnt mit der Materialfassung der Pilotenkombis für die Simulatorflüge. Anschliessend folgt die erste Theorielektion, in der die Kandidaten die wichtigsten Flugphasen und Übergänge kennen lernen. Diese gilt es möglichst schnell zu lernen, denn bereits am Nachmittag folgt der erste Einführungsflug. Abhängig von der Flugerfahrung, hat man entweder einen oder zwei Einführungsflüge. Auf diesen zeigen einem die Fluglehrer die in der Theorie gelernten Procedures im Simulator und man kann sich mit dem PC-7 vertraut machen. Diese Flüge sind noch nicht selektiv. Man kann also Unklarheiten während dem Flug oder dem Debriefing klären, bevor die Prüfungsflüge beginnen. Am Abend bleibt noch einmal Zeit fürs Selbststudium.

Prüfungsflüge

Auf die beiden Einführungsflüge folgen vier Prüfungsflüge. Nun ist jeder Kandidat auf sich allein gestellt und die Fluglehrer beurteilen jeden Flug ohne einzugreifen. Von Flug zu Flug nimmt der Schwierigkeitsgrad zu. Während diesen etwa 60 Minuten ist volle Konzentration gefragt, so dass man nach dem Flug erleichtert das Canopy öffnet und verschwitzt und müde den Simulator verlässt.

Nach den Flügen führt kein Weg an den fragenden Kameraden vorbei. Dieser Erfahrungsaustausch ist allerdings sehr wichtig, da man von den Stärken und Schwächen der anderen sehr viel lernen kann.

Banges Warten

Nach dem letzten Flug muss leider das Pilotenkombi abgegeben werden. Zum Abschluss erfolgt ein Rundgang durch den Hangar, auf dem man den EC-635, die PC-7, Super-Puma und den PC-6 Turbo Porter bestaunen kann. Anschliessend beginnt das bange Warten auf den Entscheid. Nach ein paar Tagen der Ungewissheit, erhält jeder Kandidat einen Brief aus Locarno mit dem Bescheid. Bei positivem Bescheid kann man sich auf die längste aber auch spannendste Selektionsphase freuen: die PC-7 Selektion.

Der letzte Selektionsschritt auf dem Weg zur Militärpilotenausbildung ist die allesentscheidende Pilatus PC-7 Selektion. Der 3. August 2015 war der offizielle Start dieser Phase und ein Tag der 18 frischgebackenen Offizieren der Schweizer Armee ihr Leben lang in Erinnerung bleiben sollte. Nachdem wir am Bahnhof Tenero abgeholt worden waren und unser Gepäck in Zweierzimmern verstaut hatten, ging es los mit der Eintrittsmeldung.

Erste Anfänge

Der erste Blick auf die Wochenplanung deutete ausschliesslich auf Theorieblöcke und Materialfassen hin. Auf den zweiten Blick stach jedoch der Freitagnachmittag ins Auge: Wir sollten bereits das erste Mal die Turbine „unserer“ PC-7 anlassen und für einen simulierten Take-off zur Startbahn rollen. Los ging es also mit Theorien, welche sich vor allem aus Checks, Procedures und der Geographie des Tessins zusammensetzten. Bis Ende Woche galt es nämlich einen ersten Block der Checkliste auswendig zu beherrschen. Für den technischen Dienst wurden wir jeweils in Zweiergruppen eingeteilt und lernten bei den Fluglehrern die Pilatus PC-7 aus nächster Nähe kennen. Parallel dazu durften wir gestaffelt unser Pilotenmaterial in Empfang nehmen. Dazu gehörten der Pilotenkombi, die Pilotenstiefel, Nomexhandschuhe, der Fliegerhelm, ein Kniebrett und die dazugehörigen Transporttaschen.

Ausgestattet mit dem richtigen Material nahmen wir unzählige Male im Cockpit Platz. Meist um uns anhand der Checks einen roten Faden im Cockpit zu schaffen oder um die perfekte Sitzposition für den ersten Flug zu bestimmen. Lange Abende verbrachten wir im Hangar, um bis zum Freitag möglichst alle Manipulationen und Checks beherrschen zu können. Daneben blieb in der ersten Woche wenig Zeit für Sport. Am Freitag war es endlich so weit: Das trockene Üben hatte ein Ende und wir konnten das Erlernte erstmals anwenden. Mit einer ordentlichen Portion Nervosität und Vorfreude ging es an die eingangs erwähnte Übung. Mit dem ersten Triebwerksstart und dem Rollen konnten wir die erste Woche erfolgreich abschliessen.

Die Ausbildungsphase

Die folgenden beiden Wochen waren 13 Ausbildungsflügen gewidmet. Der normale Tagesbetrieb bestand aus einem Flug am Morgen und einem Flug am Nachmittag. Die Zwischenzeiten nutzten wir in erster Linie dazu, die Flüge vorzubereiten oder gemeinsam Sport zu treiben. Die Flugprogramme entwickelten sich von Demonstrationsflügen der Fluglehrer am Anfang bis hin zu ganzen Akrobatikflügen am Ende der Ausbildungsphase. Bei schlechterem Wetter wurden Navigationsflüge und bei gutem Wetter Akrobatikflüge durchgeführt. Vor jedem Flug präsentierten wir den Fluglehrern unsere Flugvorbereitungen beim Briefing. Hier war es wichtig, kurz und prägnant die wohldurchdachte Flugplanung zu zeigen. Nach dem Flug folgte das Debriefing, in dem sowohl Fluglehrer als auch –schüler positive und zu verbessernde Punkte des Fluges thematisierten. Dabei galt es, seine eigenen Stärken und Schwächen selbst zu erkennen und sich neue Ziele zu setzen.

Die Testphase

Nach den 13 Ausbildungsflügen wurden die Fluglehrer durch fünf unabhängige Selektionsfluglehrer ausgetauscht. Alle zuvor gelernten Procedures und Flugfiguren wurden neu kombiniert und teilweise unter erschwerten Bedingungen angewendet  – völlig selbständig und ohne Eingriff seitens Fluglehrer. Debriefings nach den Flügen gab es keine mehr, man war also ziemlich auf sich alleine gestellt und konnte sich nichtmehr so gut einstufen wie in den Ausbildungsflügen. Dementsprechend angespannt war die Stimmung in dieser Phase.

Banges Warten zum Zweiten

Nachdem alle Selektionsflüge abgeschlossen und die Flugeffekten abgegeben waren, blieb nichts Weiteres übrig als auf die Entscheidung zu warten. Wir versuchten uns bei einem gemeinsamen Urlaub abzulenken, bevor am 10. September 2015 die Entscheidung bekanntgegeben wurde. Sechs der anfänglich 18 Anwärter wurden bei der Luftwaffe angestellt und starteten am folgenden Montag ihre Ausbildung.

Dokumente und Links